Das Böse trägt das Gesicht des Lichts
Das Tückischste am Bösen ist nicht seine Grausamkeit. Es ist das Gefühl, das es schenkt: Erleuchtung, Macht, fast wie Gott.
2. Korinther 11,14

Das Böse kommt nicht mit Hörnern. Es kommt mit Licht.
Wenn wir an das Böse denken, sehen wir Mord, Missbrauch, Gewalt. Wir sehen Taten, so grausam, dass wir die Menschen, die sie begehen, „böse“ nennen. Ganz und gar.
Doch was, wenn das Böse gar nicht dort beginnt, wo wir es suchen?
Kein Gesicht, sondern ein Zustand
„Das Böse“ als etwas, das man genau umreißen könnte, gibt es so nicht. Jeder zieht die Grenze ein wenig anders. Es gibt Richtwerte, an denen wir uns orientieren, und im Alltag ist es verständlich, einen Menschen als Ganzes böse zu nennen. Das Wort beschreibt dann weniger, was geschehen ist, als wie tief wir es verachten.
Meistens aber ist das Böse ein Zustand. Ein Zustand, in dem die Zügel losgelassen sind und die Kraft, die einen Menschen zurückhält, schweigt. Vieles kann diesen Zustand begünstigen: was einem in die Wiege gelegt wurde, was das Leben in einen eingeschrieben hat, die Menschen, die um einen sind.
Darum kann ein Mensch völlig gewöhnlich wirken und doch Grausames tun.
Diese Umstände erklären, warum es manchen schwerer fällt, sich zu beherrschen. Sie entschuldigen nichts.
„Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“
Römer 7,19
Die Glückseligkeit der Tat
Und hier liegt das Tückischste. Böse Taten fühlen sich im Moment ihrer Ausführung nicht böse an. Sie fühlen sich gut an. Eine Glückseligkeit, eine Genugtuung. Es fühlt sich an wie Erleuchtung. Wie Gott.
Dieses Gefühl ist losgelöst von jedem moralischen Maßstab und von jeder Situation. Es fühlt sich mächtig an. Fast so, als wäre man selbst Gott.
Das ist die älteste Lüge der Welt. Schon im Garten flüsterte die Schlange:
„… und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.“
- Mose 3,5

Ein Engel des Lichts
Doch ehe die Ernüchterung kommt, kommt die Leere. Und mit ihr die Trauer. Der Rausch zieht sich zurück und hinterlässt einen Menschen, der noch hohler ist als zuvor. Weil die Leere schmerzt, sucht er das Gefühl von Neuem. Der Teufelskreis lebt.
„Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts.“
- Korinther 11,14
Das Böse fühlt sich in deinem Herzen an wie Liebe. So tückisch ist es. Darum kannst du deinem Herzen allein nicht trauen. Es reagiert auf Reize, es folgt dem Gefühl, das am lautesten ist.
„Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen?“
Jeremia 17,9
Das Licht, das den Nebel lichtet
Wenn das Herz sich täuschen lässt, wer kann den Nebel dann durchdringen?
Nur das Göttliche in dir. Das Licht, das nicht aus dir kommt und sich von keinem Gefühl blenden lässt. Wenn es in dir wach wird, erkennst du das falsche Licht als das, was es ist: ein Glanz ohne Wärme. Ein Feuer, das nur verbrennt.
Ich glaube, darin liegt der eigentliche geistliche Kampf. Nicht im Kampf gegen das, was offensichtlich dunkel ist. Sondern in der Unterscheidung zwischen dem Licht, das wärmt, und dem Licht, das blendet.
„Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.“
Johannes 1,5
Kurz beantwortet
Häufige Fragen zu „Das Böse trägt das Gesicht des Lichts“
Woher kommt das Böse im Menschen?
Meistens ist das Böse kein Wesen mit Gesicht, sondern ein Zustand, in dem die Kraft schweigt, die einen Menschen zurückhält. Veranlagung, Lebenserfahrungen und das Umfeld können diesen Zustand begünstigen. Sie erklären, warum es manchen schwerer fällt, sich zu beherrschen. Sie entschuldigen nichts.
Warum fühlt sich das Böse gut an?
Weil böse Taten im Moment eine Glückseligkeit und Genugtuung schenken, die sich wie Erleuchtung anfühlt, fast als wäre man selbst Gott. Danach folgen Leere und Trauer, und der Mensch sucht das Gefühl von Neuem: ein Teufelskreis. Schon die Schlange versprach: „ihr werdet sein wie Gott“ (1. Mose 3,5).
Was bedeutet „Satan verstellt sich als Engel des Lichts“?
Paulus warnt in 2. Korinther 11,14, dass das Böse nicht dunkel auftritt, sondern im Glanz des Guten. Darum kann es sich im Herzen wie Liebe anfühlen, und das Herz allein ist kein sicherer Maßstab (Jeremia 17,9). Erst das göttliche Licht deckt den Nebel auf.

